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Corona-Burnout – die stille Folge des Lockdowns

Corona-Burnout

– die stille Folge des Lockdowns

Wir stecken in der Krise. Wirtschaftlich. Mental. Emotional.
Und wir müssen jetzt handeln, weil uns alle sonst das „Nach-Corona“ härter treffen wird, als wir es uns jemals hätten vorstellen können.
Mache ich dir Angst? Na hoffentlich, kann ich da nur sagen.

Psychische Krankheiten wie Depressionen und Burnout entwickeln sich nicht erst seit Corona zur Volkskrankheit Nr. 1. Bereits 2019 gaben bei einer Umfrage der STADA Arzneimittel 49 % der Befragten an, selbst schon an einem Burnout zu leiden oder das Gefühl zu haben, kurz davor zu stehen. (Quelle: https://www.presseportal.de/pm/13125/4346347)

Und – Überraschung – das ist in Corona-Zeiten nicht besser geworden. Im Gegenteil:

Die Angst um die eigene Gesundheit und die der Lieben,
unsichere und wechselnde Situationen im gesellschaftlichen Kontext – was ist erlaubt, was nicht –,
Sorgen um den Arbeitsplatz, die Selbstständigkeit, die Finanzen und
vielerorts entweder das Multitasking zwischen Homeoffice, Homeschooling und Homekitaing oder auf der anderen Seite die Einsamkeit – die Herausforderungen sind uns längst über den Kopf gewachsen.

Burnout – die unsichtbare Gefahr

Und in dieser Situation wundert es natürlich auch niemanden, dass wir aktuell noch gar nicht ahnen, wie viele Teammitglieder und Führungskräfte spätestens, wenn sich die Situation im Außen dank Impfungen wieder stabilisiert, plötzlich in ein Loch fallen werden. Vorsichtige Schätzungen liegen bei rund 50 %.
Und dann wird es wie beim Domino sein: Der erste Stein fällt und steckt die anderen emotional an, die selbst eben auch keine Ressourcen mehr haben, noch irgendwas aufzufangen oder weiter durchzuhalten.

Geschätzt werden nämlich 80 % der Burnout-Fälle viel zu spät erkannt, wenn die Zeit für Prävention längst abgelaufen ist.
Nach Schneglberger (2010) „entwickelt sich Burnout schleichend und bleibt meist über längere Zeit unentdeckt. Betroffene arbeiten im Durchschnitt noch etwa neun Monate nach Erkrankungsbeginn weiter, bevor sie sich in medizinische Behandlung begeben.“ (http://www.i-g-o.de/burnout)

Mit mehr Vereinbarkeit dem Burnout die Stirn bieten

Burnout ist kein Einzelschicksal und nicht das Problem einer*s Einzelnen – er geht uns alle an, und nur gemeinsam können wir ihm vorbeugen. Und gerade jetzt in Corona-Zeiten heißt es schnell zu reagieren:

Fördere jetzt die emphatische Führung in deinen Teams, damit Schwachpunkte im System, aber auch bei jedem*r Einzelnen schneller erkannt werden können.
Biete optimal Unterstützung bei der täglichen „Remote Work“ sowohl mit dem richtigen Arbeitswerkzeug (Hardware und Sortware), aber eben auch mit der Vermittlung des richtigen Umgangs mit diesen neuen Errungenschaften.
Leb deiner Belegschaft vor, wie man mit sich selbst emphatisch in Kontakt bleibt, trotzdem Ziele setzt und erreicht und mit Fehlern und Erfolgen gleichmäßig offen umgeht.
Schaff informelle Austauschmöglichkeiten und biete aktiv professionelle Hilfe an.

Kurz: Stell dich den Herausforderungen offensiv, die alle in deinem Unternehmen gerade treffen – auch wenn die einzelnen Themen sich unterscheiden, bleibt die Belastung für alle extrem hoch. So könnt ihr auch nach der Krise erfolgreich und vor allem gesund zusammenarbeiten.
Denn was, wenn du es nicht jetzt angehst?

Burnout geht – die Folgen bleiben

Die Welle des „Corona-Burnouts“ wird uns treffen. Das lässt sich leider nicht vermeiden, denn der Schaden ist an vielen Stellen schon angerichtet. Wir haben jedoch jetzt noch die Chance, den Umfang positiv zu beeinflussen. Denn „Müdigkeit, Gedächtnisprobleme und eine verringerte Stresstoleranz: Viele Symptome eines Burnouts bleiben auch nach einer erfolgreichen Psychotherapie noch bestehen, zeigt eine schwedische Studie.“
Und da psychische Krankheiten mittlerweile 60 % der Krankenkosten in Deutschland ausmachen, kannst du dir ausrechnen, was auf dich zukommt.
Der BKK Dachverband schätzt übrigens den wirtschaftlichen Schaden jährlich auf ca. 100.000.000.000 Euro durch Entgeldfortzahlungen, gesenkte Produktivität, Produktionsausfallkosten, Opportunitätskosten und Recruiting … und da ist 2021 natürlich noch gar nicht mit drin.

Also heißt es jetzt zu reagieren: Stell die Weichen, setz auf mehr Vereinbarkeit und emphatische Führung – und führe dein Unternehmen und dein Team nicht nur erfolgreich durch, sondern auch aus und nach der Krise.

Deine Amélie

Hier gibt’s den Artikel zum Mitnehmen.

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Einsamkeit

Einsamkeit – warum auch Alleinsein ein Vereinbarkeitsproblem ist

Wenn Einsamkeit krank macht

Bereits im August 2020 wies die Bundespsychotherapeutenkammer auf die Gefahr hin, was die Corona-Isolation mit den Menschen macht. Natürlich hatte sie dabei vor allem an die ältere Generation gedacht, aber auch jüngere Leute und vor allem Singles sind davon betroffen: Einsamkeit.
Nun stehen wir schon wieder vor dem nächsten Lockdown, und das Problem ist noch akuter denn je.
„Neben Depressionen und Angststörungen, akuten und posttraumatischen Belastungsstörungen können auch Alkohol- und Medikamentenabhängigkeit, Zwangsstörungen und Psychosen zunehmen“, erklärt Kammerpräsident Dietrich Munz dazu.
Und neben den tragischen persönlichen Folgen, die diese Einsamkeit haben kann, kommen eben auch noch die wirtschaftlichen hinzu: Wer sich einsam und von der Welt isoliert fühlt, leistet im Job weniger. Das bestätigten u. a. Professoren von der California State University und der Wharton School of Business. Einsamkeit habe „einen erheblichen Einfluss auf die Arbeitsleistung der Mitarbeiter, sowohl bei direkten Aufgaben als auch auf ihre Effektivität wie auch ihre Rolle im Team.“
Und das kostet Arbeitgeber viel Geld. Ein Blick auf die Zahlen genügt: Kranke Arbeitnehmer kosten die deutsche Volkswirtschaft jährlich rund 225 Milliarden Euro oder etwa neun Prozent des Bruttoinlandsproduktes (Studie der Felix-Burda-Stiftung).
Neueste Studien belegen zum Beispiel außerdem, dass Einsamkeit auf lange Sicht ein ebenso hohes Gesundheitsrisiko birgt wie Rauchen oder Übergewicht. Dabei ist sie natürlich nicht akut tödlich, sondern macht mehr langfristig und langsam krank. „Remote Work“ könnte deshalb in Zukunft zum echten Risikofaktor für die psychische und physische Gesundheit werden. Und schon wieder kostet das den Arbeitgeber Geld in Form von Krankentagen.

Einsamkeit – allein, nur in schlimm

Alleinsein, Zeit ohne andere Menschen verbringen: Das kann guttun, so sie frei gewählt ist.
Wenn es aber wehtut, sogar dann, wenn man unter Menschen ist, dann ist es Einsamkeit. Und Einsamkeit macht krank.
Einsamkeit ist jedoch nicht nur die bloße An- oder Abwesenheit anderer Menschen, vielmehr beschreibt sie ein Gefühl der Leere, des Ausgegrenzt-Seins und das Fehlen von Aufmerksamkeit und Wertschätzung. Und ja, nicht erst seit dem Homeoffice kann das ein Problem im Job sein.
Dass sich Forscher*innen, Wissenschaftler*innen und Mediziner*innen gerade jetzt so intensiv mit dem Thema Einsamkeit beschäftigen, ist allerdings kein Zufall. Seit einiger Zeit ist nämlich ein gefährlicher Trend in den westlichen Industrienationen zu beobachten: Unsere Gesellschaft vereinsamt.
Junge Menschen, unsere „Digital Natives“, verlernen tiefergehende soziale Beziehungen zu führen, es gibt immer mehr Singles, und die sogenannte Tele- oder Remote-Arbeit macht es nicht besser. Hinzu kommen immer mehr Ältere, die ebenfalls auf sich alleingestellt fernab von der Familie leben.
Und wenn dann die natürlichen Begegnungen im öffentlichen Raum so eingeschränkt sind wie jetzt, ist dieses Problem nicht mehr nur auf Singles begrenzt. Zumal sie häufig diejenigen sind, die schon gute Bewältigungsmechanismen entwickelt haben, um eben nicht zu vereinsamen.

Was Unternehmen tun können: Brich das Tabu

Auf den ersten Blick möchte man meinen, das Problem muss jeder für sich in den Griff kriegen. Chronische Einsamkeit sollten Führungskräfte und Arbeitgeber aber ernst nehmen. Denn oft wissen die Betroffenen nicht, wie sie alleine aus der Vereinsamung wieder herausfinden sollen. Und einsam zu sein, ist häufig peinlich.
Also ist das Erste, was Vorgesetzte tun können, ein Bewusstsein für das Problem zu entwickeln und hinzuschauen:

  • Haben einzelne Mitarbeiter auffällig wenig Kontakt zu ihren Kollegen?
  • Gibt es Mitarbeiter, die nie in Erscheinung treten und sich stets zurücknehmen? (Ist im Video-Call ja noch einmal leichter.)
  • Welche Mitarbeiter beteiligen sich nie an Teamaktivitäten?

Häufen sich solche Symptome, dann sollte der Vorgesetzte reagieren. Proaktive Gesprächsangebote können helfen, zunächst vielleicht nur unter vier Augen. Gegebenenfalls kann auch die Weitergabe von Hilfsangeboten wie Online- und Telefonberatungsstellen mit 24-Stunden-Hotlines von Nutzen sein.
Gerade in Homeoffice-Zeiten können Vorgesetzte Tandems anregen, damit sich Kollegen untereinander anrufen und jenseits von „Arbeitsgesprächen“ mal gemeinsam 15 Minuten „Kaffeepausen“ machen. Um das Ganze spielerisch zu halten, könnten die Tandems gelost werden, und jeden Tag / jede Woche kommt man so mal mit einem anderen Kollegen ins Gespräch. Das wirkt einerseits der Einsamkeit entgegen und gleichzeitig teambildend.
Besonders introvertierte und schüchterne Kollegen brauchen manchmal etwas Unterstützung, wenn es darum geht, ihre Talente und Qualitäten ins rechte Licht zu setzen und ihren Selbstwert zu erkennen – auch hier ist eine sensible Führung gefragt und ggf. ein Coachingangebot.

Überhaupt ist Teambuilding in Corona-Zeiten umso wichtiger. Ob es gemeinsame Veranstaltungen im Workshop-Format sind, Vorträge, die im Anschluss zum aktiven Austausch anregen, Outdoor-Aktivitäten wie gemeinsame Spaziergänge oder Picknicks …
Versuch auch Aktivitäten der Mitarbeiter untereinander anzuregen und zu fördern. Teamleiter dürfen hier tief in die Trickkiste greifen und wirklich kreativ werden – dir fällt nichts ein? Was für eine tolle Gelegenheit, mal wieder deine Teammitglieder ins Gespräch zu holen.

Und auch Familien und alleinstehende oder einsame Menschen zu verbinden, kann vom Unternehmen unterstützt werden. Denn jeder kann einem Kind oder einem älteren Menschen einer anderen Familie Gesellschaft leisten, indem er vorliest oder sich unterhält – auch per Video-Call. Das entlastet die Familien und wirkt aktiv der Einsamkeit entgegen.
So kannst du als Arbeitgeber einfach die soziale Vielfältigkeit fördern: hin zu mehr „Dorf-“ oder „Clan-Denken“ über Blutsbande hinaus. Dann wird die Einsamkeit für niemanden zur chronischen Falle.

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Vereinbarkeit während Corona – denn nach der Krise ist vor der Krise

Corona – nach der Krise ist vor der Krise

Vereinbarkeit während Corona – denn nach der Krise ist vor der Krise

Viele Eltern fiebern dem „neuen alten Normal“ nach den Sommerferien entgegen: endlich wieder Regelbetrieb in Kitas, KiGas und vielleicht sogar Schulen und mal wieder normal zur Arbeit gehen können. Eine schöne Vision – doch so zerbrechlich.
Denn die Realität, die uns in kürzester Zeit einholen wird, ist nicht etwa eine gefährliche zweite Corona-Welle, wobei diese natürlich nicht ausgeschlossen werden kann, viel mehr ist es ein bekannter und heutzutage viel gefürchteterer Gegner, der ab Herbst auf uns lauert: der gemeine Schnupfen.
Was die Arbeitnehmer diesen Frühsommer und Sommer noch nicht an Überstundenkontingent, Urlaubs- und Kind-krank-Tagen verbrannt haben, wird angesichts dieser Bedrohung schmelzen wie Butter in der warmen Sonne.
Und der Arbeitgeber? Nun, der kann weiter das Prinzip Hoffnung fahren, frei nach dem Motto „Bisher ist es ja auch irgendwie gegangen“, oder er agiert jetzt proaktiv, zieht Bilanz aus den Erfahrungen und Ergebnissen der ersten Welle und wappnet sich (noch besser) für die zweite.
Denn es sind die erwerbstätigen Eltern, die die großen Verlierer der ersten Welle sind, wie Studien der Hans-Böckler-Stiftung oder des BiB (Bundesinstitut für Bevölkerungsforschung) zeigen.
Quasi über Nacht standen elf Millionen Kinder und Jugendliche von Kita bis Sekundarstufe 2 ohne Betreuung oder Beschulung da. 10,6 Millionen Eltern mit Kindern unter zwölf Jahren mussten plötzlich Homeoffice und Homeschooling vereinbaren und immerhin 900.000 von ihnen als Alleinerziehende.

Studien zur Vereinbarkeit während Corona

Aktuelle Studien zur Belastung von Eltern während Corona belegen, dass gerade wenn beide Partner im Homeoffice gearbeitet haben, die Vereinbarkeit besser war. Dadurch, dass die Aufgaben vor Ort für beide wahrnehmbarer waren, wurden sie auch häufig gerechter verteilt. Trotzdem waren häufig Frauen und Mütter die Leidtragenden, besonders wenn sie als Einzige in systemrelevanten Positionen arbeiteten. Deshalb wäre es wichtig, dass im Falle einer zweiten Welle alle Kinder in die Notbetreuung dürfen, selbst wenn nur ein Elternteil in einem systemrelevanten Job arbeitet. Ebenso bietet auch die Nutzung des Homeoffice generell natürlich noch viel Luft nach oben – der vielerorts noch vorherrschende Zwang zu Präsenz wird nicht erst mit einer zweiten Welle stark in Frage gestellt. Große Konzerne setzen bereits heute verstärkt auf Ergebniskultur – nicht zuletzt weil die jüngere Generation der Arbeitnehmer sie einfordert.
Auch die „Kind-krank-Tage“-Anzahl flexibel zu erhöhen, ist eine oft gehörte Forderung, damit die Eltern ihre Doppelbelastung besser überstehen.
Doch was können Arbeitgeber schon heute beitragen, damit es an der Familienfront läuft und ihre Arbeitnehmer damit stressfrei und konzentriert auch weiter zum Erfolg des Unternehmens beitragen können?

Womit jeder direkt heute starten kann:

  • Homeoffice: wo immer es technisch möglich ist, unterstützen mit abgesprochenen Zeiten der Erreichbarkeit und realistischen Arbeitszeitmodellen,
  • bis zu 600 Euro mehr für die Kinderbetreuung (und Pflege) in besonderen Situationen: steuerfrei für den Arbeitnehmer und für den Arbeitgeber immer noch attraktiver als eine eigene Kita oder eine Gehaltserhöhung,
  • gestatten des Aufbaus von „Minus-Stunden“ für den Arbeitnehmer, statt unbezahlt frei nehmen zu müssen,
  • Informationen zu Hilfsangeboten weitergeben: Lieferdienste, Online-Babysitter oder Nachhilfe – mit vielen Themen stehen die Arbeitgeber plötzlich allein da. Hier kann der Arbeitgeber mit einer einfachen Homepage oder im Intranet schnell hilfreiche Informationen zur Verfügung stellen, um den Arbeitnehmer zu entlasten,
  • Platz für Austausch: Eltern helfen sich hervorragend untereinander – auch innerhalb der Firma ist es leicht, ein Forum für diesen Austausch zu bieten und ihn zu fördern,
  • selbst ein starkes Vorbild sein und auch zum Pausemachen anleiten,
  • fragen: Was brauchen die Arbeitnehmer – jetzt und in Zukunft? Nehmen Sie Corona zum Anlass und starten Sie einen Dialog für die erfolgreiche Zukunft Ihres Unternehmens.

Eine weitere Studie von berufundfamilie legt nahe, dass Unternehmen, die vor der Krise auf Vereinbarkeit gesetzt haben, selbige nach eigener Einschätzung besser überstanden haben. 60,8 % bestätigen, dass sich „eine familien- und lebensphasenbewusste Ausrichtung als Mittel des Risikomanagements in der Coronakrise bewährt hat“.
Denn nach der Krise ist vor der Krise – und wer möchte am Ende nicht zu den Gewinnern gehören?

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